Was ist Qigong?
Qigong ist ein Sammelbegriff für verschiedene Methoden, mit denen wir Haltung (innen und außen), Atmung und Geist schulen. Regelmäßiges Üben kann Stress reduzieren, die Körperwahrnehmung verbessern und Beweglichkeit sowie Regeneration unterstützen. Viele Übungen haben eine lange Tradition und dienen nicht nur der Entspannung, sondern einer ruhigen, stabilen Lebensführung. Durch das Üben („Gong“) kommen Bewegung, Atem und Aufmerksamkeit in einen harmonischeren Rhythmus – und das, was im Qigong „Qi“ genannt wird, lässt sich als erlebte Lebendigkeit und Fluss im Körper wahrnehmen.
Wie Leichtigkeit und Stabilität im Qigong entstehen
Auch wenn sich die Qigong-Grundhaltung anfangs ungewohnt anfühlen kann, sind die Prinzipien der Ausrichtung einfach und wirkungsvoll:
- Die Füße stehen schulterbreit und parallel. Den Schwerpunkt kann man gut über die Fußsohlen wahrnehmen – ausgewogen zwischen Ballen und Ferse.
- Sprunggelenke, Knie und Hüftgelenke (Leistenregion) bleiben weich; die Muskulatur lässt nach, ohne weich zu werden. So kann das Becken loslassen, und die Lendenwirbelsäule wird entlastet.
- Rippen und Schulterblätter dürfen sich von Spannungen lösen, das Brustbein sinkt leicht – ohne einzufallen.
- Der Kopf „schwebt“ zwischen den Schultern, der Scheitel richtet sich nach oben. Dadurch kann sich die Wirbelsäule aufrichten und behutsam strecken.
Paradoxerweise unterstützt gerade die Schwerkraft dieses Gefühl von Aufrichtung: unten verwurzelt, oben leicht. Ellenbogen und Handgelenke bleiben leicht gerundet und elastisch; die Hände sind entspannt, aber nicht schlaff. Wenn Gelenke und Muskulatur auf diese Weise gelöst sind, entsteht eine gute Grundlage für ruhige Atmung, stabile Haltung und den harmonischen Energiefluss, den wir im Qigong „Qi“ nennen.
Zwei grundlegende Prinzipien, die die Basis vieler Qigong-Methoden bilden, sind Aufrichtung und Entspannung. Aufrichtung („Yang“) und Entspannung („Yin“) wirken wie gegensätzliche Pole – und unterstützen sich gerade deshalb: Der Körper bleibt klar ausgerichtet, während Haut, Muskeln und Sehnen loslassen dürfen. Das erfordert regelmäßige Übung, aber keinen Ehrgeiz.
Qigong beginnt oft schon vor der eigentlichen Übung – in der Vorbereitung. Das ist der unspektakuläre Teil, in dem wir uns auf das Wesentliche einlassen. Denn so unterschiedlich Qigong-Übungen auch sind, haben sie etwas gemeinsam: Durch eine klare Körperhaltung entsteht ein inneres Gleichgewicht und eine feinere Wahrnehmung für den Körper „von innen heraus“. Das spart Kraft und macht im Alltag stabiler. Mit der Zeit entsteht wie von selbst ein Gefühl von Verwurzelung und Erdung. Und wie ein Baum durch tiefe Wurzeln Standfestigkeit gewinnt, kann auch die Übungspraxis wachsen – ruhig, stabil, Schritt für Schritt. Auf diese Weise trainieren wir Verwurzelung und Aufrichtung.



